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Eine idyllische Radtour
durchs Drei-Länder-Eck
Zur
kurzen Einführung möchte ich sie darauf
aufmerksam machen, dass sie die anstehende Tour selbstverständlich
auf ihrem Heimtrainer oder ihrer Radrolle mitfahren
können. Steht ihnen keines dieser Geräte
zur Verfügung, können sie sich den nachfolgenden
Text auch als Hörbuch aufnehmen und sich auf
ihr eigenes Rad setzen. Das Alles erfolgt natürlich
auf eigene Gefahr, für körperliche und materielle
Schäden kann ich keine Haftung übernehmen.
Unsere Tour beginnt in Livigno auf 1800m Höhe.
Unsere Höhenanpassung ist vollständig abgeschlossen.
Und da wir Grenzen überfahren, haben wir auch
alle unsere Pässe eingesteckt. Start 8.30Uhr
vor dem Hotel Amerikan. Das Tal ist noch vollständig
durch Wolken verhangen, doch das soll uns nicht abhalten
und wir machen uns auf den Weg.
Hinweis: Nehmen sie sich ausreichend Verpflegung mit,
eine kontinuierliche Energieversorgung des Körpers
ist das A und O einer solchen Tour!
Die ersten 20km heißt es einrollen und so geht
es flach durchs Tal, vorbei an einem Stausee, weiter
durch einen Tunnel, bis wir am ersten Grenzübergang
zur Schweiz angekommen sind. Hier biegen wir rechts
ab und der erste Pass beginnt. Der Ofenpass fährt
sich sehr flüssig, da ca. 600 Höhenmeter
auf 10km verteilt sind.
Hinweis: Stellen sie die Wattstufe nun von leicht
auf mittel, schalten sie auf der Rolle ein paar Gänge
höher, oder suchen sie sich auf dem Rad die erste
Steigung.
Oben angekommen, erwartet uns eigentlich ein wunderschöner
Ausblick aufs Schweizer Bergland, aber hier müssen
wir leider feststellen, dass die Wolken noch zugenommen
haben und wir in den kommenden Stunden noch von dem
einen, oder anderen Regentropfen überrascht werden
können. Mit der Tagesherausforderung Stilfser
Joch vor Augen, hält es uns aber nicht davon
ab weiter zu fahren und wir begeben uns in eine rasende
Abfahrt.
Hinweis: Erhöhen sie stark die Frequenz und begeben
sie sich in eine möglichst aerodynamische Position!
Mit Geschwindigkeiten von bis zu 85km/h geht es ins
Tal, zwischendurch wird die Fahrt noch von ein paar
Regentropfen erschwert und wir passieren wieder die
Grenze und sind zurück in Italien. Einige Kilometer
noch und wir sind auf 800m Höhe, am Abzweig zum
Passo del Stelvio (Stilfser Joch) angekommen.
Hinweis: Da es jetzt, je nach körperlicher Verfassung,
die nächsten 1 ½ bis 2 Stunden bergan
geht, füllen sie noch mal ihre Trinkflaschen
und gehen sie, wenn nötig, noch mal auf Toilette.
Jetzt heißt es 26km Passfahrt. Los geht es,
vorbei an einem Wildbach, durch eine kleine Ortschaft,
bis dann die ersten Serpentinen durch den Wald beginnen.
Hinweis: Stellen sie nun die Wattstufe auf schwer,
schalten auf der Rolle aufs große Blatt und
verlassen sie die Steigung und suchen sich einen Berg!
Und auch nach 40 Minuten schrauben wir uns von Serpentine
zu Serpentine immer höher den Berg hinauf. Da
kommt die rettende Hütte in Sicht, jetzt wird
es gleich geschafft sein. Erleichterung und ein wenig
Spott machen sich breit. So schwer ist der so respekteinflößende
Pass dann ja doch nicht gewesen. An der Hütte
angekommen geht die Straße noch weiter. Gut,
bis zum Gipfel werden wir es auch noch schaffen. Wir
durchfahren die nächste Kurve und wie vom Blitz
getroffen verlassen uns alle Kräfte. Eine senkrechte
Wand aus Fels und Beton baut sich vor uns auf, damit
aber noch nicht genug, an diesem Monstrum von Wand
schlängelt sich unsere Straße unaufhaltsam
ihren Weg nach oben, bis sie am Ende zwischen zwei
Berggipfeln verschwindet!
Hinweis: Stellen sie nun die höchst mögliche
Wattstufe ein, fahren sie auf der Rolle mit gezogener
Bremse und steigen sie kurz vom Rad ab und füllen
sich Wasser in die Schläuche!
Das soeben beschriebene Schreckensszenario ist die
nächsten 60-75min. unser Aufenthaltsort. Damit
jedoch nicht genug und von Höhenmeter zu Höhenmeter
zieht die Temperatur an, bis die ersten Graupelschauer
beginnen. Durch die zurückliegende Stunde ist
es jedoch warm genug geworden und von so etwas lassen
wir uns jetzt auch nicht mehr unterkriegen. So langsam
nähern sich die durchnummerierten Serpentinen
dem einstelligen Zahlenbereich und ein Ende ist in
naher Sicht. Geschafft! Wir sind auf 2758m Höhe
am Passo del Stelvio angekommen. Die Luft ist hier
schon spürbar dünner und auch sonst ist
hier oben an diesem Tag nichts wirklich ansprechendes
zu finden. Das uns Mitte Juni dann auch noch ein Mann
in Skischuhen und Skiern auf der Schulter über
den Weg läuft, macht die Entscheidung nur leichter
alles Wärmende, was zu finden ist anzuziehen
und sich in die nächste Abfahrt zu stürtzen.
Dass auf der anderen Seite die Wolken am Berg hingen,
konnten wir natürlich nicht wissen und noch in
dem Moment als wir uns Gedanken darüber machen,
fahren wir in eine Nebelwand ein, dass es schwer war
die nächsten zehn Meter weit zu sehen. Zu richtigen
Wolken gehört natürlich auch richtiger Regen
und so fahren wir nun die nächsten zehn Minuten
bei Regen und um die 3 Grad Celsius bergab in Richtung
Bormio.
Hinweis: Nehmen sie sich ihre Trinkflasche, füllen
sie diese mit Eiswasser und sprühen sie sich
die nächsten 10min. ununterbrochen von oben bis
unten ein.
Anbei stellen sie hier fest, dass es möglich
ist, dass man sich wünscht wieder bergauf fahren
zu dürfen. Kurz vor Bormio müssen wir auf
den Abzweig nach Livigno achten und dann wird unser
Wunsch auch schon auf der Stelle erfüllt und
der Foscagno-Pass erwartet uns. Die nächsten
18 Kilometer dürfen wir nun wieder mit dem Berg,
mit unseren Beinen und unserem Schweinehund, der sich
im laufe der Tour von einem Schoßhündchen
zu einem stattlichen Kampfhund entwickelt hat, kämpfen.
Im gleichen Moment entsteht jedoch auch eine Art Endspurtstimmung
und die kommenden 18 Kilometer sind zwar hart, aber
erträglich. Bis auf dass wir hier auf ein Neues
in Kontakt mit den Wolken treten, die aber anscheinend
schon all ihr Wasser verregnet haben und so überstehen
wir diese Begegnung trocken und wohlauf. Oben angekommen
passieren wir den Grenzübergang nach Livigno.
Fast hätten wir den kleinen Anstieg nach Trepalle
übersehen und so folgt auch gleich die Strafe
und eine extrem giftige Steigung saugt die allerletzten
vorhandenen Reserven aus den Oberschenkeln.
Hinweis: Erinnern sie sich einfach noch mal an die
Kurve in der Fahrt zum Stilfser Joch hinauf, aber
keine Sorge, hier spielt sich das ganze innerhalb
von Minuten ab.
Jetzt die letzte Abfahrt heile überstehen und
nach ca. 145km sind wir an unserem Ziel und gleichzeitigem
Start, dem Hotel Amerikan wieder angekommen.
Ich hoffe, sie hatten an dieser Tour mindestens genauso
viel Spaß wie ich, ich bedanke mich für
ihre Aufmerksamkeit, gratuliere denen, die Zuhause
die Tour mitgefahren sind und vielleicht heißt
es nächstes Jahr ja auf ein Neues. Nur bei dem
Titel werde ich mir dann noch mal Gedanken machen
und ihn vielleicht (leicht überheblich) Höllentour
nennen, oder dann doch (bescheiden) vom Regen in die
Traufe vorziehen. Aber bis dahin ist es noch eine
lange Zeit…
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